UNSER SUNNY SPOT IM YUKON
Auf einmal stehen wir wieder am Flughafen von Whitehorse und erinnern uns, wie wir vor einem Monat hier einen kurzen Zwischenstopp auf dem nach Inuvik gemacht haben. GefĂŒhlt ist seitdem eine halbe Ewigkeit vergangen, so viel haben wir erlebt und gesehen. Damals sind wir kurz raus um zu schauen, wie sich die -15 Grad anfĂŒhlen, die schon wirklich sehr kalt waren. Nun kommen wir bei -25 Grad an und denken: Mensch, ist das warm hier. Karen, unser Host fĂŒr die nĂ€chsten Wochen, holt uns vom Flughafen ab. Malte ist etwas enttĂ€uscht, dass wir ânurâ mit einem kleinen PKW abgeholt werden, da er bei einer Farm mit einem groĂen Pick-Up gerechnet hat – mit dem werden wir spĂ€ter aber auch noch fahren. Wir fahren vom Flughafen nicht Richtung Whitehorse Zentrum, sondern raus aus der Stadt. Die Umgebung mit den Bergen im Hintergrund ist atemberaubend und wird uns bei jeder Fahrt immer wieder aufs Neue faszinieren. Karen erzĂ€hlt wĂ€hrend der Fahrt ĂŒber ihre Kinder, ihren Ehemann Chance, die Ziegenfarm, die sie zusammen betreiben und die letzten drei Workawayer, mit denen sie eine tolle Zeit hatten. Wir mĂŒssen erstmal mit den ganzen englischen Farm-Begriffen klarkommen und verstehen mit der Zeit, dass âBucklingsâ, mĂ€nnliche und âDoelingsâ weibliche junge Ziegen sind. Angekommen bei der Farm lernen wir Chance und die beiden Baby-Ziegen Daisy and Mayflower kennen, die am 5. Februar geboren sind. Eigentlich hatten sie noch ein Geschwisterchen, aber das ist leider erfroren. Auch Mayflower wĂ€re fast gestorben, aber Andrew, ein Workawayer, der VeterinĂ€rmediziner ist, konnte sie glĂŒcklicherweise retten. Die Schwangerschaft bzw. die Geburt von den beiden/dreien war nicht geplant und ist daher leider im Winter bei starken Minusgraden passiert. Die anderen schwangeren Ziegen, die sich zurzeit auf der Farm befinden, werden ihre Babys im Juni, also im Sommer, bekommen. Als erstes lernen wir, den beiden mit der Flasche Milch zu geben, was gar nicht so einfach ist, da sie ganz schön stĂŒrmisch sind und ihren Mund schnell und heftig gegen den Nippel drĂŒcken (sogenanntes âBondingâ). Ansonsten sind sie aber sehr niedlich und wir freuen uns schon, sie die nĂ€chsten Tage wieder fĂŒttern zu dĂŒrfen.
Dann lernen wir noch Noah, Karens 22-JÀhrige Tochter kennen, die ebenfalls mit auf der Farm wohnt, aber die vor allem vor ihrem PC sitzt, zockt oder YouTube-Videos schaut, wÀhrend sie mit ihrem Freund, der in den USA lebt, telefoniert.
Karen kocht leckeres Abendbrot und zeigt uns unser kleines gemĂŒtliches Zimmer oben im 1. Stock im Haus. Wir fallen ziemlich erschöpft ins Bett und sind froh, dass wir am nĂ€chsten Tag erst um 10 Uhr anfangen zu arbeiten und nicht wie im Bush-Camp zwischen 7-7:30 Uhr aufstehen mĂŒssen. In der ersten Nacht wacht Malte morgens frĂŒh auf, weil er auf Toilette muss. Er dreht sich wieder um, weil er keine Lust hat seine dicken Klamotten anzuziehen, um drauĂen aufs Outhouse gehen zu können. Dann stellt er jedoch fest, dass wir ja nicht mehr im Bushcamp sind und er einfach so ĂŒber den warmen Flur ins warme Badezimmer gehen kann – was ein Luxus.Â
Chores
Chance zeigt uns die die nĂ€chsten Tage die Morgen- und Abendroutine, genannt âChoresâ, die tĂ€glich auf der Farm gemacht werden mĂŒssen. Dazu gehört, das Futter fĂŒr die fĂŒnf Hunde vorzubereiten. Ruby und Molly sind zwei Hunde, die mit im Haus wohnen, auf die die beiden eigentlich nur mal eine kurze Zeit aufpassen sollten. Doch dann ist die Besitzerin verstorben und die Kinder der Besitzerin wollten die Hunde ins Tierheim geben. Karen und Chance wollten aber auf keinen Fall, dass die beiden getrennt werden, also haben sie sie behalten. Chance nennt sie immer die âZero Dollar-Dogsâ, weil sie nichts gekostet haben und Chance jetzt auch keine hohe Summe fĂŒr medizinische Behandlungen ausgeben wĂŒrde. Ruby hat nĂ€mlich Krebs (aber keine Schmerzen bisher) und Molly Nierensteine (dagegen bekommt sie Medikamente). Die beiden sollen einfach noch ein restliches schönes Leben bei ihnen haben, bis es Zeit ist fĂŒr sie zu gehen. Die anderen drei Hunde sind Sascha, 2 Jahre alt, sie ist die Mama von Lui und Roy, den Puppies, die erst 8 Monate alt sind. Alle sind PyrenĂ€en-Hunde, die dafĂŒr da sind, die Ziegen vor möglichen Raubtierangriffen wie von BĂ€ren, Wölfen und Pumas zu beschĂŒtzen. Roy ist leider manchmal etwas aggressiv gegenĂŒber den Ziegen, deswegen werden sie ihn wohl wieder verkaufen. Lui und Roy sind allerdings nicht mehr so klein und niedlich wie die Puppies in Inuvik, sondern schon wirklich groĂe (im Stand gröĂer als ich), sehr verspielte Hunde. Okay, sorry aber wieder zurĂŒck zu den Morning Chores: Wir bereiten also das Hundefutter vor, fĂŒllen die Wasssercontainer auf, nehmen die Milchmaschine und machen uns auf dem Weg zum Stall (=barn). Im Winter, wenn noch Schnee liegt, ziehen wir alles mit kleinen Schlitten rĂŒber. Gegen Ende unser Zeit auf der Farm ist der meiste Schnee bereits geschmolzen und wir transportieren alles mit dem Kabota, einem kleinen Traktor. Im Sommer gibt es eine Wasserleitung zum Barn, die jetzt aber gerade noch zugefroren ist. Angekommen beim Stall lassen wir erstmal Sascha und danach Lui und Roy raus und geben ihnen ihr Futter. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, warum die Hunde im Stall eingeschlossen sind, weil sie da ja gar nichts gegen die Raubtiere machen können. Das ist nur momentan so, weil die Raubtiere im Winter ja Winterschlaf machen und diese PyrenĂ€en-Hunde einfach super viel bellen, was nachts ganz schön laut ist. Wennâs wĂ€rmer wird, werden sie aber drauĂen im Gehege fĂŒr die Ziegen bleiben und diese bewachen. Im Barn befinden sich 9 Bucklings in einem Stall, 13 Doelings in einem anderen (alle so 6 Monate alt), Mable, die Mama von Daisy und Mayflower, momentan alleine in einem Stall und drei HĂ€hne, die K, F und C heiĂen und kleine Biester sind. Wir fĂŒttern die KFC-Biester und fĂŒllen fĂŒr alle Wasser auf. Meistens ist das Wasser in den Eimern gefroren und wir mĂŒssen es einmal drauĂen ausleeren, bevor wir neues auffĂŒllen können. In dem Stall stehen zudem zwei groĂe Heuballen auf Paletten, damit sie von unten nicht nass werden, wenn der Schnee schmilzt und das Wasser durch den Barn lĂ€uft. Chance zeigt uns, wie wir das Heu am besten mit der Heugabel vom Ballen bekommen und dass es manchmal verschimmelte Stellen im Ballen gibt, die wir aussortieren mĂŒssen, weil die Ziegen es nicht essen. Wir fĂŒllen die Futterhalter (=feeder) der Ziegen im Stall und lernen die jungen Zieglein etwas kennen. Es ist interessant zu sehen, dass alle unterschiedliche Charaktere haben. Manche sind eher Ă€ngstlich, andere richtig frech. Mit der Zeit lernen sie uns aber auch besser kennen und werden zutraulicher.
Dann zeigt Chance uns noch, wie man Mable milkt. Neben ihrem Stall gibt es so etwas wie einen niedrigen Tisch (Melkstand), auf den sie springt. Am Ende dessen sind Holzbalken, wo sie ihren Kopf durchsteckt, um an ihren Napf mit GemĂŒse-Leckereien zu kommen. Wenn sie ihren Kopf durchgesteckt hat, verschieben wir einen Holzbalken, sichern ihn mit einer groĂen Schraube und Mabel kann ihren Kopf nicht mehr zurĂŒckziehen. Wir können uns entspannt daneben setzen und kommen gut an ihren Euter, um sie zu melken. Chance zeigt uns auch, wie man mit der Hand melkt. Gar nicht so einfach, wie es aussieht und vor allem echt anstrengend. Wir brauchen gefĂŒhlt ĂŒber eine halbe Stunde um zwei 1l-GlĂ€ser zu fĂŒllen. Chance fĂŒllt ein Glas in drei Minuten. Ist wohl learning by doing und vor allem die richtige Technik finden. GlĂŒcklicherweise haben wir eine kleine Melkmaschine mit einem Eimer und SchlĂ€uchen mit zwei Saugglocken, die wir an die Zitze anbringen können. Diese saugen sich durch ein Vakuum an den Zitzen fest und pressen durch Unterdruck die Milch aus den Zitzen. Mit dieser Maschine dauert das Melken höchstens fĂŒfnf Minuten. Aber da die Maschine natĂŒrlich auch mal kaputt gehen kann, mĂŒssen wir wissen, wie wir mit der Hand melken. Mable ist, glauben wir auch ganz froh, dass wir die Maschine benutzen, ihre Geduld ist nĂ€mlich nicht mehr so groĂ, wenn ihr Napf mit Essen leer ist und sie fĂ€ngt an mit ihren Beinen aufzustampfen und unruhig zu werden. Dies wird aber auch besser, nachdem sie sich an uns gewöhnt hat und wir werden natĂŒrlich auch von Tag zu Tag schneller und routinierter. Nach dem Melken befreien wir Mableâs Kopf wieder und sie darf frei im Stall und drauĂen herumlaufen. FĂŒr uns gehtâs nun auch nach drauĂen und wir fĂŒllen Wasser und Heu im DrauĂenbereich auf. DrauĂen gibt es einmal den âGen Popâ, wie Chance und Karen es nennen. Es steht fĂŒr âGeneral Populationâ, also allgemeine Bevölkerung. Darin befinden sie die meisten Ziegen. Es sind ĂŒber 20 weibliche Ziegen, von denen hoffentlich alle schwanger sind und im Juni gebĂ€ren. Wenn wir durch den Gen Pop gehen, kommen wir zu einem kleineren Gehege, dem âLove Shackâ. Hier gibt es einen groĂen Bock (=buck) namens Centurion und sieben weibliche Ziegen, die von ihm begattet werden sollen. NĂ€her beim Haus gibt es auch noch ein weiteres Gehege, indem ein weiterer Buck namens Decimus mit fĂŒnf anderen weiblichen Ziegen wohnt. Auf der Farm gibt es 62 Ziegen und wir fragen uns, wie wir da je alle Namen lernen sollen. Doch wir stellen fest, dass es ganz schön viele unterschiedliche Arten von Ziegen gibt: GroĂ, klein, dick, dĂŒnn, schwarz, weiĂ, braun, grau, bunt, mit geraden oder gebogenen Hörnern, mit nur einem Horn, ganz ohne Hörner, mit Waddeln und ohne, breiten oder schmalen Köpfen, und alle mit ganz unterschiedlichen Charakteren – und dadurch schaffen wir es auch zumindest ein paar Namen zu lernen, wie zum Beispiel den von Lucy. Sie ist nĂ€mlich wirklich ein Teufel/Luzifer, oder auch die Alpha-Ziege im Gehege, die bestimmt wo es lang geht und die anderen lieber Abstand halten, wenn es Leckereien gibt. Die groĂen Böcke sind auf den ersten Blick auf jeden Fall ganz schön angsteinflöĂend, vor allem wenn sie einem mit ihren Hörnern zu nah kommen. Die meisten der Ziegen sind jedoch eher Ă€ngstlich, zumindest am Anfang. Als sie merken, dass wir meistens vorbeischauen, um ihnen Futter zu geben, werden sie jedoch zutraulicher, schnuppern an uns oder reiben ihre Köpfe an uns. Was besonders schön zu sehen ist, dass Mutter und Tochter, wie z.B. Serafim und Carina, obwohl schon erwachsen, trotzdem oft zusammenliegen und kuscheln. Die beiden sind auch leicht zu erkennen, da sie beide weiĂ sind, Carina immer lĂ€chelt und Serafim auf ihrem RĂŒcken eine groĂe Kerbe hat, wo sie von einem gröĂeren Raubtier angegriffen wurde.
Die erste Zeit brauchen wir etwas lĂ€nger fĂŒr die Chores, doch mit der Zeit spielen wir uns ein und meist dauert es nur noch eine Stunde. Abends macht Malte die Chores oft alleine. Dabei hört er Musik oder Podcast ĂŒber seine Kopfhörer und bekommt so seine kleine âMe-timeâ. Ich kann in der Zeit im Haus helfen oder mich ausruhen.
Wir stellen fest, dass die Farmarbeit uns echt SpaĂ macht und wir morgens eine andere Motivation haben, aufzustehen â wenn wir wissen, dass dort Tiere auf uns warten, die versorgt werden wollen. Allerdings merken wir auch, was fĂŒr eine krasse Verantwortung es ist. Denn was ist, wenn man mal krank ist und es einem richtig schlecht geht? Oder einfach mal keine Lust hat und sich einen Tag ausruhen möchte? Von Urlaub ganz zu schweigen.. eine Farm zu haben, ist definitiv eine Lebensentscheidung, die gut ĂŒberlegt sein sollte.
Wir fĂŒhlen uns auf der Farm viel wohler als im Bushcamp im Inuvik. Das liegt vor allem daran, dass wir viel weniger arbeiten mĂŒssen, wir direkt sehen, dass wir Karen und Chance mit unserer Arbeit helfen und sie unsere Anwesenheit und UnterstĂŒtzung sehr wertschĂ€tzen. Die ersten Tage brauche ich zwischendurch Pausen und Mittagsschlaf. Einen Tag bin ich wieder richtig krank mit ganz viel Spucken und auf Toilette sitzen und wir fragen uns, ob das immer noch vom Bushcamp kommt. Aber Noah und Chance erwischt es auch, daher kann es auch was anderes sein. Karen vermutet zwischendurch, dass ich mir da das Bieber-Fieber eingefangen habe, was man durch verunreinigtes Wasser bekommen und was immer wieder ausbrechen kann. Telefonisch erhalten wir endlich unsere Testergebnisse aus der Klinik in Inuvik und meine Werte sind alle gut, Bieber-Fieber negativ. Die Ărztin sagt, dass ich mir wohl ein Virus zugezogen hatte, allerdings gehe ich aufgrund der schlechten Hygiene im Camp weiterhin von verunreinigtem Wasser aus. Nach einem Tag gehtâs mir glĂŒcklicherweise besser und ich kann wieder trinken und essen. Ich hoffe echt, das war jetzt das letzte Mal fĂŒr eine ganz lange Zeit (ich rechne erst wieder in SĂŒdamerika damit..).
Loop
Der erste Samstag, an dem wir auf der Farm sind, ist ein âLoopâ-Samstag. Loop ist ein Programm, an dem lokale SupermĂ€rkte und Farmen teilnehmen können, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Jeden Tag haben die SupermĂ€rkte Ware, die sie nicht mehr verkaufen können. Das kann Ware sein, die abgelaufen ist, Ware, die gekĂŒhlt werden muss, die aber von Kundinnen und Kunden irgendwo anders im Supermarkt liegen gelassen worden sind, oder Ware, die schmutzig ist, also z.B. in einem Karton ist ein Joghurt aufgeplatzt und ĂŒber alle anderen Joghurts ausgelaufen, so dass diese Joghurts nicht mehr verkauft werden können, weil sie klebrig sind. Diese Ware geht zum Teil an die Foodbank (Tafel) oder eben an Farmen, die Teil von âLoopâ sind. DafĂŒr mĂŒssen die Farmen sich registrieren und einen Kurs machen, wo zum Beispiel erlĂ€utert wird, wie der Abfall richtig recycelt wird. Jeden Tag kommt eine andere Farm zum Abholen der unverkĂ€uflichen Ware, um diese an die Tiere auf der Farm zu verfĂŒttern oder es direkt fĂŒr den Kompost zu nutzen. Wir Menschen dĂŒrfen die Lebensmittel nicht essen.
Die Sunnyspot Farm holt jeden 2. Samstag vom Superstore, einer von den drei groĂen SupermĂ€rkten in Whitehorse, Ware ab. Mit dem groĂen Pick-Up mit AnhĂ€nger dahinter fahren wir eine halbe Stunde in die Stadt und warten vor dem Wareneingang, dass alle LKWs weg sind und wir mit dem AnhĂ€nger ranfahren können. Und dann bekommen wir Kartons aus verschiedenen Bereichen: Obst- und GemĂŒse, TiefkĂŒhler, Lebensmittel aus den GĂ€ngen, Backwaren, Delikatessen etc. Wir stapeln die Kartons im AnhĂ€nger, fahren zurĂŒck und laden alles in den âShopâ, so wie wir die eine Scheune nennen. Dabei versuchen wir die Kartons direkt zu sortieren und z.B. die Sachen, die gekĂŒhlt werden mĂŒssen, nah an die AuĂenwand zu stellen. Die Scheune ist nicht beheizt, daher ist es im Winter relativ gut gekĂŒhlt. Es befindet sich aber auch der Generator fĂŒr die Stromversorgung darin, der ziemlich warm wird, wenn er lĂ€uft. Zudem schauen wir, dass Sachen, die schnell schlecht werden, in einer Ecke gesammelt werden, damit wir sie schnell verarbeiten können. Es ist krass zu sehen, wieviel Lebensmittel aus einem Supermarkt in einer Stadt mit 25.000 Einwohnenden, eigentlich weggeschmissen worden wĂ€ren. Und das an einem Tag! Denn an den anderen Tagen, holen andere Farmen weitere Lebensmittel ab. So ein Loop-Samstag bereitet mir besonders groĂe Freude, da ich mich ĂŒber jedes nicht weggeworfene Lebensmittel, was wir noch an die Tiere verfĂŒttern können, unheimlich freue. Am besten sind die Sachen aus der Obst- und GemĂŒseabteilung, da wir wissen, wie sehr die Ziegen zum Beispiel Romana Salatherzen lieben. Oft sind es so 4er Packungen, wo ein Salatherz dunkel geworden ist, und die ganze Packung dann nicht mehr verkauft werden kann. Oder eine schimmlige Tomate in einer 500g-Packung Tomaten. Nach dem Samstag heiĂt es vor allem, sortieren und schnippeln. Wir sortieren gammlige Sachen aus bzw. machen die dunklen SalatblĂ€tter ab, da sich darunter noch schöner grĂŒner Salat befindet. Schimmlige Lebensmittel essen die Ziegen nĂ€mlich auch nicht. Wir schneiden die Lebensmittel klein und bereiten sogenannte âTreatâ-Boxen, also Leckerlie-Kartons fĂŒr die Ziegen vor. Aubergine mögen die Ziegen leider nicht und die Samen der Paprika dĂŒrfen sie nicht essen. Besonders gut finden sie auch Brot oder GebĂ€ck. Also bereiten wir immer eine bunte Mischung vor. Fleisch, Reis, Nudeln und Salatmixe bekommen die Hunde in ihren NĂ€pfen zusammengemischt. Rohes Fleisch, Reis und Nudeln mĂŒssen wir natĂŒrlich erst fĂŒr sie kochen. Die HĂŒhner bekommen auch Salatmixe, einige Fertiggerichte oder TiefkĂŒhlsachen, allerdings alles vegetarisch. Und so können wir echt ziemlich viel von den Loop-Lebensmitteln noch verfĂŒttern und nur wenig geht direkt auf den Kompost. Auch wenn das ganze Sortieren und Schnippeln viel Zeit kostet und es eine groĂe Menge an MĂŒll ist, die durch die Lebensmittelverpackungen entsteht, können Karen und Chance so auch Geld sparen, was sie sonst fĂŒr Tierfutter ausgegeben hĂ€tten.
Freizeit
An unseren zwei freien Tagen in der Woche, die meistens unter der Woche sind, da am Wochenende viel zu tun ist, haben wir seit lĂ€ngerem mal wieder freie Zeit fĂŒr uns. Unseren ersten freien Tag nutzen wir dazu, uns Whitehorse anzuschauen. Karen nimmt uns morgens mit auf dem Weg zur Arbeit und setzt uns am CGC (Canada Games Center) ab. Dort drin gibt es ein Schwimmbad und viele verschiedene Sportfelder (FuĂball, Basketball, Tennis, Ice Hockey, Laufbahn etc.). Karen hat uns empfohlen unbedingt nach ganz oben in dem GebĂ€ude zu gehen, weil man von dort einen tollen Ausblick auf die Stadt hat und es einen schönen Weg zum Laufen gibt. Wir stellen fest, dass es zwar einen tollen Ausblick gibt, aber ansonsten ist es oben nur eine Laufstrecke im Kreis, wo viele Personen unterwegs sind. Wir fragen uns warum, Leute es toll finden, drinnen im Kreis zu laufen. Erinnern uns jedoch, dass die Winter im Yukon lang und kalt sind, und dass die Menschen so einen Ort haben, um weiterhin Laufen zu gehen. Das Schwimmbad ist mit einem Kinderbecken und einen Bahnenbecken jetzt auch nicht das gröĂte, aber wir freuen uns mal wieder ein paar Bahnen ziehen zu können und im Whirlpool zu chillen. Oh, und ein Dampfbad gibt es auch. Nur in die kleine Sauna gehen wir nicht, weil man hier mit Badezeug in die Sauna geht und sich allein die Vorstellung mit Kleidung in die Sauna zu gehen total falsch anfĂŒhlt. Nach der kleinen Erfrischung laufen wir zu FuĂ zu Karenâs Arbeit und dĂŒrfen uns ihr Auto fĂŒr den Tag ausleihen. Wir fahren in die Stadt und gehen FrĂŒhstĂŒcken bzw. Mittagessen. Danach schlendern wir durch Whitehorse und stellen fest, dass die Stadt echt klein ist. Aber fĂŒr den Yukon ist sie groĂ, denn im ganzen Yukon, der fast 500.000 Quadratkilometer groĂ ist, leben rund 40.000 Menschen, davon 25.000 in Whitehorse. Nur im Vergleich Deutschland ist 360.000 Quadratkilometer groĂ und wir haben 80 Millionen Einwohnende. Diese Dimensionen gehen bis heute nicht in meinen Kopf, auch wenn wir einmal quer durch Kanada gefahren sind. ZurĂŒck zu Whitehorse: Die Stadt hat eine kurze EinkaufsstraĂe mit ein paar SouvenirlĂ€den und verteilt ein paar niedliche CafĂ©s und Restaurants. Sonst hat die Stadt nicht viel zu bieten. Dennoch hat sie Charme. Die zum Teil alten GebĂ€ude, die fĂŒr mich aussehen wie aus einem Westernfilm, der Fluss, der Yukon River, der sich an der Stadt entlang schlĂ€ngelt und dahinter direkt die Berge, sorgen fĂŒr eine schöne, heimische AtmosphĂ€re. Wir spazieren in der Sonne am Fluss entlang und sehen wie die Eisschollen auf dem Fluss langsam aufbrechen und schmelzen. Es ist wunderschön hier und ich fĂŒhle mich richtig wohl. Dann schauen wir uns noch das Dampfschiff SS Klondike, aus der Zeit des Goldrausches, an, als im Yukon ĂŒber 100.000 Menschen zumindest eine Zeit lang gelebt haben. Leider können wir das Schiff nicht von innen anschauen, da fast alle SehenswĂŒrdigkeiten oder Nationalparks im MĂ€rz noch geschlossen sind und erst wieder im Mai zur Saison eröffnen werden.
So ist es leider auch, als wir mit zwei anderen Workawayern Vitalina und Oksana, die fĂŒr eine Woche auf der Farm sind, einen kleinen Roadtrip machen. Wir dĂŒrfen uns wieder Karenâs Auto ausleihen und an einem weiteren freien Tag die Gegend von Whitehorse anschauen. Wir fahren einen kleinen Loop ĂŒber Carcross sowie Tagish mit einem kleinen Schlenker zum Teslin Lake. Die StĂ€dte bzw. eher Dörfer sind echt winzig und haben, da zur Zeit fast alles geschlossen ist, auch nicht wirklich viel zu bieten. Dennoch sind auch andere Touristinnen und Touristen mit uns unterwegs und wir stellen uns vor, wie viele Leute hier im Sommer unterwegs sind. Und sind direkt froh, dass wir die Dörfer und StraĂen fast ganz fĂŒr uns alleine haben. Und vor allem die wunderschöne Landschaft mit ihren Bergen und Seen. Wir kommen bei der ganzen Fahrt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Der Yukon hat es echt in sich.
Die Zeit mit Vitalina und Oksana ist sehr schön. Die beiden wohnen im âBaumhausâ, also einer kleinen selbstgebauten HĂŒtte neben einem Baum, können aber immer ins Haus kommen, wenn sie möchten. Es ist schön, sich mit anderen Menschen, die ebenfalls durch die Welt reisen, auszutauschen. Die beiden kommen aus der Ukraine, reisen zusammen durch Kanada und wollen auch noch weiter nach SĂŒdamerika. Vitalina, die in der NĂ€he von Kiew wohnt, sieht keinen Grund zurĂŒckzugehen, solange Krieg in ihrem Heimatland herrscht. Sie erzĂ€hlen uns von der Situation zu Hause und dass erst letzte Woche das Haus direkt neben dem Haus von Vitalinas Schwester zerbombt wurde. Wir können uns nicht vorstellen, was fĂŒr ein GefĂŒhl es sein muss, wenn zu Hause Krieg herrscht und welche Ăngste sie um ihre Familien haben. Wir sind sehr beeindruckt von den beiden. Besonders Vitalina ist eine der positivsten Menschen, die ich je getroffen habe, mit so einer besonderen Lebensfreude und einer tollen Art ihre GefĂŒhle und Gedanken zu kommunizieren. Am meisten beeindruckt sind wir von ihrer Art zu reisen. Die beiden hitchhiken und couchsurfen nĂ€mlich durchs Land. Also sie trampen, fahren mit Mitfahrgelegenheiten von Ort zu Ort und schlafen bei fremden Menschen, die ihnen ihre Couch oder Bett anbieten. Zwischendurch bleiben sie auch mal lĂ€nger an einem Ort, wie z.B. hier auf der Farm mit Workaway. Von Whitehorse aus trampen sie die ganze Strecke nach Vancouver und schaffen die ĂŒber 2.300km in knapp zwei Wochen. DemnĂ€chst wollen sie von Vancouver aus nach Toronto trampen, also die Strecke, die wir mit Mausi in drei Wochen gefahren sind. Es ist unheimlich erfrischend und ermutigend sich mit den beiden MĂ€dels, die ĂŒbrigens 23-24 Jahre alt sind, auszutauschen. So ermutigend, dass ich uns direkt auch mal ein Couchsurfing-Profil einrichte, bzw. meins von vor ein paar Jahren wieder aktiviere und mir fest vornehme, dies auch auszuprobieren. Ich hoffe, dass wir den beiden nicht zum letzten Mal auf unserer Reise begegnet â und mal schauen, ob Malte und ich bis dahin auch Couchsurfer geworden sind đ
Eigentlich wollen wir an unseren freien Tagen noch weitere AusflĂŒge, zum Beispiel nach Alaska (nur 2h entfernt) oder Dawson City machen. Aber wir können uns nicht richtig motivieren und da die meisten Sachen noch geschlossen haben, sagt Karen, dass es sich jetzt nicht lohnt. FĂŒr mich fĂŒhlt es sich erst blöd an, weil ich ja meine Liste bzw. meine Karte mit meinen ganzen FĂ€hnchen habe, wo ich noch ĂŒberall hin möchte. Doch seitdem wir unterwegs sind, merken wir auch, dass dieses Abhaken von Orten und SehenswĂŒrdigkeiten, gar nicht die Momente sind, die uns am meisten in Erinnerung bleiben. NatĂŒrlich macht es auch SpaĂ sich besondere Orte anzuschauen und ein Foto von z.B. sich mit der Skyline von New York City zu haben. Wenn ich mich jedoch an die schönsten Momente auf unser bisherigen Reise erinnere, sind es nicht die Situationen mit SehenswĂŒrdigkeiten, sondern die Momente, mit Menschen und Landschaften, die in mir besondere GefĂŒhle ausgelöst haben und deswegen in meinem GedĂ€chtnis eingebrannt sind. Diese Erkenntnis möchten wir fĂŒr die Weiterreise gerne beim Planen mitbedenken und sie muss auch in meinem Listen-Planungs-Kopf ankommen đ WĂ€hrend der Zeit auf der Farm schaffen wir dies ganz gut. Wir machen keine weiteren groĂen AusflĂŒge mehr, sondern genieĂen die Zeit im Hier und Jetzt. Da Karenâs Tochter Megan oft auf dem nahliegenden Berg Mount Sima Snowboard fĂ€hrt, leihen wir uns auch Skier aus und stehen seit gefĂŒhlt ĂŒber 15 Jahren das erste Mal wieder auf Skiern und fahren die Piste herunter. TatsĂ€chlich ist es so wie Rad fahren und wir haben es nicht verlernt. Es kostet uns jedoch einiges mehr Ăberwindung und die Angst sich alle Knochen zu brechen ist auch viel gröĂer als frĂŒher. Wenn wir die kleinen Menschen so mit ihren Snowboards und Skiern den Berg runterflitzen sehen, wĂŒnschten wir, wir wĂ€ren auch nochmal Kinder, so unbesorgt und mit so viel Vertrauen ins Leben. Das Ding ist aber auch, wenn die hinfallen, schĂŒtteln sie sich einmal und stehen wieder auf. Als wir uns ordentlich auf die Fresse legen, brauchen wir erstmal gefĂŒhlte 10 Minuten, um wieder auf beiden Beinen zu stehen. Aber egal, wir trauen uns trotzdem, schaffen es ohne Verletzungen den Berg runter und es macht uns so viel SpaĂ, dass wir noch einmal fĂŒr einen ganzen Tag wiederkommen und Malte mit einer Bestzeit von fĂŒnf Minuten nachher die Piste runterknallt. Nach dem Tag kann ich mich ein paar Tage nicht so gut bewegen đ Ich wusste gar nicht, wie sehr man die HĂŒfte und das Becken zum Skifahren braucht. Daher bin ich umso stolzer, dass ich mich getraut habe, und merke, dass ich erst wieder lernen muss, stĂ€rkeres Vertrauen in meinen Körper, vor allem mein linkes Bein, zu bekommen (Prof. Alkatout ist bestimmt auch stolz auf mich).
Die restliche Zeit auf der Farm verbringen wir viel mit Kuscheln mit den Hunden und Babyziegen. Ihr glaubt gar nicht, wie verkuschelt Babyziegen sein können. Mayflower ist nicht so kuschelig, aber Daisy liebt es auf dem Arm zu chillen und sich streicheln zu lassen. Die Momente, in denen wir einfach nur in der Sonne in unseren StĂŒhlen vor dem Haus sitzen mit den Babyziegen auf dem Arm sind unbeschreiblich schön. Wir stellen fest, wie wichtig Tiere fĂŒr uns sind und dass wir, wenn wir zurĂŒckkommen, gerne Tiere haben möchten, vielleicht sogar eine Farm? Nachdem wir allerdings einmal den Stall ausgemistet haben und merken, wie krass anstrengend das ist, sind wir auch ganz schnell wieder ab von dem Gedanken. Malte schlĂ€gt einen Lebenshof, fĂŒr gerettete Tiere, vor und diese Idee finde ich sehr schön. Auch wenn diese Gedanken vielleicht alle nur TrĂ€ume bleiben, weil es schwierig ist einen Lebenshof zu finanzieren, macht es trotzdem sehr viel SpaĂ rumzuspinnen und zu schauen, was uns glĂŒcklich macht.
Beim Thema âTiereâ möchte ich auch noch ein Erlebnis aufgreifen, was nicht so schön war. Die Ziegenfarm ist nicht darauf ausgelegt, ZiegenkĂ€se und -milch zu verkaufen, sondern hier wird Ziegenfleisch verkauft. Und zwar, dass von den jungen Bucklings, also den jungen Ziegenböcken. Irgendwann ist es soweit und Karen bekommt eine Bestellung von einem Filipino. Einige Filipinos essen nĂ€mlich sehr gerne zu besonderen AnlĂ€ssen, wie zum Beispiel einer Geburt, Ziegenfleisch. Seit drei Wochen fĂŒttern wir jeden Tag die Ziegen, auch die 9 Bucklings. Mittlerweile haben sie sich an uns gewöhnt, wir reden mit ihnen, wir streicheln sie, wir haben jeder unsere Lieblinge und wissen, welche besonders frech sind und gerne mal in den Feeder springen. Und nun soll einer von ihnen getötet werden. Ich gehe in den Stall und frage mich, ob ich einfach einen aussuchen und entscheiden kann, dass er sterben muss. TatsĂ€chlich kann ich das und suche einen aus. Am nĂ€chsten Morgen schaut mir dieser Buckling besonders lang in die Augen⊠puuh nee, der darf es doch nicht sein. Malte erzĂ€hlt meine Auswahl jedoch Karen und Chance und die beiden sind froh, dass ich schon eine Ziege ausgesucht habe. Na toll. Chance holt den Buckling aus dem Stall und bringt ihn in einen KĂ€fig nah der Scheune. Dort bleibt er erstmal eine Weile, um sich wieder zu beruhigen. Chance bereitet alles vor und dann ist es soweit. Es geht alles superschnell. Chance holt die Ziege aus dem KĂ€fig, nimmt sie zwischen die Beine, legt das BolzenschussgerĂ€t zwischen die Hörner an, drĂŒckt ab und zack ist ein Lebewesen tot. Es bestĂŒrzt mich, wie wenig es mich in diesem Moment bestĂŒrzt. Es ging so schnell. Chance schneidet der Ziege die Kehle auf, damit sie ausbluten kann und hĂ€ngt sie am Traktor auf, um sie an der Schaufel hochzuziehen. Danach verbrennt er das Fell mit so etwas wie einem Bunsenbrenner. Der Kunde hat die Ziege komplett bestellt, da er auch den Kopf, das Blut, die Haut usw. verwerten möchte. Eigentlich wollte ich gerade schreiben, dass es wenigstens gut ist, dass alles von dem Tier verwertet wird. Aber dieses Argument fĂŒhlt sich irgendwie absurd an. Auch, dass diese Art des Tiere Tötens noch mit âdie besteâ ist, weil das Tier so am wenigsten leidet, klingt absurd. Denn am Ende ist die Ziege, die ich ausgesucht habe, tot, weil sie jemand essen will. Weil ein Mensch zwei Minuten einen âleckerenâ Geschmack auf der Zunge haben will. Und zwei AbsĂ€tze zuvor habe ich geschrieben, wie schön es ist, mit den Ziegenbabys und den Hunden zu kuscheln. Wie absurd ist das bitte? Wieso nehmen wir Menschen uns heraus, zu entscheiden, dass wir manche Lebewesen töten, fĂŒr den Geschmack, und andere wiederum unser Ein und Alles sind und mit uns im Haus leben? Mir hat die Zeit auf der Ziegenfarm auf jeden Fall gezeigt, dass ich weiterhin kein Fleisch essen möchte. Und nicht nur, weil ich gegen die Massentierhaltung bin und das extreme Leid, was den Tieren dort angetan wird. Sondern auch weil kein Lebewesen es verdient hat, getötet zu werden, damit Menschen es essen können. Ja, es gibt noch LĂ€nder in denen Menschen darauf angewiesen sind, um zu ĂŒberleben, aber wir in Deutschland sind es nicht. Zu diesem Thema kann ich ĂŒbrigens einen sehr guten Podcast empfehlen, der genau der Frage nachgeht, warum wir Tiere essen âWen dĂŒrfen wir essen?â von Radio Bremen.
Harter Cut.Â
Der Abschied von unserem Sunnyspot im Yukon fĂ€llt uns besonders schwer. Wir fĂŒhlen uns hier sehr wohl und haben das GefĂŒhl schon ein bisschen zur Familie zu gehören. Die letzten Tage haben wir viel mit Aislyn, der kleinen Tochter von Megan (Karenâs Tochter) verbracht. Aislyn ist vor kurzem ein Jahr alt geworden und wir waren auch auf ihrer sĂŒĂen Geburtstagsparty. Es fĂŒhlt sich schön an, mal wieder auf einem Familiengeburtstag zu sein, aber auch eigenartig, weil wir gleichzeitig unsere Familie zu Hause sehr vermissen und wissen, dass wir zum Beispiel an dem 1. Geburtstag unseres Neffen nicht dabei sein werden. Auch wenn er davon nicht soviel mitbekommt, ist es trotzdem schade, an dem Tag nicht dabei zu sein. Wir sind dankbar, dass wir trotzdem Teil eines 1. Geburtstag sein und Zeit mit einem kleinen Baby verbringen durften. Die Zeit auf der Farm hat uns richtig gut getan und wir merken langsam, wie wir so richtig im Reise-Modus angekommen sind. Also nicht, dieses viel Reisen und Sachen abhaken, sondern das Momente genieĂen, frei sein und Zeit mit vielen tollen Menschen verbringen. Denn wenn wir was gelernt haben, in den letzten Monaten, dann dass wir an einem superschönen Ort mit blöden Menschen sein und eine nicht so gute Zeit haben können, aber wir an einem nicht so tollen Ort mit tollen Menschen, wundervolle Zeit erleben können. Die Zeit, einen Monat im Bushcamp in der NĂ€he von Inuvik und einen Monat auf der Ziegenfarm in der NĂ€he von Whitehorse, haben uns gezeigt, dass eine lĂ€ngere Zeit an einem Ort, sehr gut tun kann. Workaway, also Unterkunft und Essen gegen 20-25 Stunden Freiwilligenarbeit, ist wirklich eine tolle Möglichkeit lĂ€nger an einem Ort zu bleiben, Menschen vor Ort besser kennen zu lernen und dabei auch noch Geld zu sparen. Zudem haben wir so auch die Möglichkeit verschiedene Lebensweisen, wie zum Beispiel das Farmleben, zu entdecken und zu schauen, was wir gut finden und was nicht und so Entscheidungen fĂŒr unser weiteres Leben zu treffen. Wir haben schon viele Ideen im Kopf und sind gespannt, was wir noch fĂŒr weitere Ideen auf unserer Reise bekommen. Es wird definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir auf unserer Reise ein Workaway absolvieren werden.
Jetzt sind wir seit Ende MĂ€rz wieder zurĂŒck in Vancouver. Mausi geht es gut und sie ist sogar nach zwei Monaten stehen, direkt angesprungen. Wir sind das zweite Mal in der Stadt und Vancouver gefĂ€llt uns viel besser. Das liegt wohl am besseren Wetter. Mittlerweile tragen wir zum Teil kurze Hose und Top und es ist kaum vorstellbar, dass wir vor ein paar Wochen noch bei -25 Grad im Norden waren. Es liegt aber auch daran, dass wir auf der North Shore, in West Vancouver, also nicht in der NĂ€he von Downtown, sondern auf der anderen Seite wohnen, wo es viel schöner ist. Wir dĂŒrfen bei einer Freundin Susanne (einer alten Schulbekannten von meiner Mama) wohnen und helfen ihr im Garten und Haus. Zudem hat ihre Tochter auch jemanden zum Babysitten von ihrem bald 4-jĂ€hrigen Sohn gebraucht (sie ist gerade hochschwanger, muss sich ausruhen und ihr Mann ist Pilot und war zwei Wochen fast durchgĂ€ngig unterwegs). So können wir hier gerade umsonst wohnen und verdienen auch noch etwas Geld mit Babysitten und Gartenarbeit. Und als uns dann auch noch eine gute Freundin von Susanne namens Josie anbietet, in ihrem Haus zwei Blocks entfernt zu wohnen, wĂ€hrend ihr Mann und sie vier Wochen in Europa sind, sagen wir natĂŒrlich nicht nein und freuen uns einfach groĂzĂŒgige und gastfreundliche Menschen kennen zu dĂŒrfen. Nachdem Malte ein paar Tage me-time alleine im Haus von Josie hat, ziehe ich auch ein und wir genieĂen das schöne Wetter zusammen. Eigentlich wollten wir Mitte April wieder los, damit wir am 2. Mai, wenn uns zwei Freunde aus Deutschland besuchen kommen, in Calgary sind, wo sie landen. Da Josie aber nichts gegen den Besuch unserer Freunde hat, haben sie jetzt noch einen Weiterflug von Calgary nach Vancouver gebucht. Wir bleiben noch ein paar gemeinsame Tage hier und werden dann sĂŒdlich durchs Okanagan Valley die Rockies ĂŒberqueren, in den Waterton National Park und weiter Richtung Banff und Jasper fahren, um die Rockies noch einmal in Ruhe und bei gutem Wetter zu entdecken. Ende Mai fliegen die beiden aus Calgary wieder zurĂŒck und dann schauen wir mal, worauf wir Lust haben. Wir haben nĂ€mlich kein Bock mehr so viel voraus zu planen, weil sich vielleicht durch Menschen, die wir treffen oder Erfahrungen, die wir machen, noch ganz andere Möglichkeiten ergeben, so wie jetzt gerade. Also mal schauen, was sich noch so ergibt. In Kanada dĂŒrfen wir mit unserem Visum bis Ende Februar / Anfang MĂ€rz 2025 bleiben, allerdings zwischendurch nicht aus- und wieder einreisen, dann verfĂ€llt es, aber wir könnten auch ein neues Tourivisum beantragen. Es bleibt also spannend, wo es uns hinverschlĂ€gt. Ich wĂŒrde ja gerne noch einmal hoch zur Ziegenfarm und die frischgeschlĂŒpften Babyziegen und den Yukon im Sommer sehen⊠đ






































